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KEP-Markt – Entwicklungsszenarien

KEP-Markt – Entwicklungsszenarien: Die Digitalisierung hat schon viele Branchen von Grund auf umgekrempelt. E-Commerce-Unternehmen im Speziellen haben inzwischen traditionellen Händlern beträchtliche Marktanteile abgenommen. Treiber dieser Entwicklungen sind in erster Linie die Kunden, die neue digitale Serviceangebote oft begeistert annehmen. Diese Dynamik ergreift zunehmend auch die Logistikbranche. Das Sendungsvolumen bei den B2C – Warensendungen wird sich vom Niveau 2013 aus gesehen in den kommenden 10 Jahren auf 2 Mrd. Sendungen pro Jahr verdoppeln. Wie wird sich die Logistikbranche im Angesicht dieser Herausforderungen entwickeln?

Szenario A – Marktanteile der Anbieter bleiben konstant

Die aktuellen Marktteilnehmer verdoppeln parallel zum Marktwachstum ihre Sendungsvolumen. Es treten keine neuen Marktteilnehmer in den Markt ein.

Eintrittswahrscheinlichkeit: gering – Bei Marktveränderungen in dieser Größenordnung bleiben die Marktanteile nicht konstant.

Szenario B – Deutsche Post AG profitiert überdurchschnittlich vom Wachstum

Analog Szenario A, jedoch wickelt die Deutsche Post AG überproportional viele der zusätzlichen B2C-Sendung über ihre Zustellsysteme ab. Die anderen Marktteilnehmer verlieren Marktanteile.

Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel – Mit zusätzlichen Postshops, Paketboxen sowie Same Day Delivery Angeboten in Ballungsräumen versucht die Deutsche Post Wettbewerber auf Distanz zu halten und hohe Markteintrittsbarrieren für neue Anbieter zu errichten.

Szenario C – Neue Anbieter treten in den Markt ein, etablierte Anbieter geben Marktanteile ab.

Das starke Marktwachstum macht den Logistikmarkt für neue Marktteilnehmer und Investoren interessant. Sie treten in den Markt ein. Es etabliert sich ein buntes Ökosystem aus neuen Anbietern und Investoren. Die traditionellen Marktteilnehmer können Ihre Sendungsmengen im wachsenden Markt steigern verlieren jedoch Marktanteile.

(update 06/ 2014) Im Zusammenhang mit dem Einstieg von Alibaba bei der Singapur Post präzisiert sich eine weitere Variante dieses Szenarios. E-Commerce-Unternehmen steigen nicht direkt sondern indirekt über eine Beteiligung an einem etablierten Postdienst ein. So kombinieren Sie die eigenen Kernkompetenzen im E-Commerce mit Kernkompetenzen von Postunternehmen. Die Aktivitäten von Amazon in England und Frankreich zeigen eine ähnliche Strategie auf.

Eintrittswahrscheinlichkeit: hoch – Auf den meisten Märkten, die sich durch die Digitalisierung verändert haben, sind neue Marktteilnehmer in den Markt eingetreten.

Im Zusammenhang mit dem Szenario C könnte sich ein offener Postmarkt herausbilden. Die bisher mehr oder weniger in sich geschlossenen und abgeschotteten Geschäftsprozesse der etablierten Anbieter würden durch offene und für Dritte zugängliche Teil-Leistungsmodule ersetzt. Neue Marktteilnehmer können so innovative Geschäftsmodelle für einzelne Teilprozesse wie Abholung, Zustellung, Postshops oder Retourenbearbeitung auf den Markt bringen, ohne selbst den kompletten Logistikprozess anbieten zu müssen. Die Begeisterung der Kunden und nicht die strategischen Interessen von Postunternehmen entscheiden dann über Erfolg oder Misserfolg neuer Serviceangebote.

Open Postal Alliance – Die Initiative für offene Postmärkte

Der BdKEP setzt sich für offene Postmärkte ein und startet deshalb im Mai 2014 die Open Postal Alliance. Technologieanbieter, KEP-Unternehmen, Institutionen sowie Verbrauchervertreter sind eingeladen, sich gemeinsam für den diskriminierungsfreien Zugang zum Postmarkt für alle Marktteilnehmer einzusetzen.

(aus: Verkehrsrundschau 18/2014 – Mit freundlicher Genehmigung der Verkehrsrundschau)

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